Pflege die Langsamkeit und werde schneller!
Der Sekundenzeiger macht deutlich, wie schnell die Zeit verrinnt und wie die Zeit immer drängt. “Schnelligkeit ist heute der wichtigste Erfolgsfaktor” wird oft und gerne behauptet. Zeit ist Geld und sofortiges Entscheiden und Handeln daher eine Tugend. Hinterfragt wird kaum, denn die Erfahrung scheint in mancher Hinsicht den Eilenden Recht zu geben.
Und doch: Wer in seinen Entscheidungen bewusst Langsamkeit einbezieht, kommt oft schneller, sicherer und weniger erschöpft ans Ziel als der Hastige.
Typisches Beispiel: Man befindet sich in einer verfahrenen Lage. Ungeduldige schlagen sofort Lösungen vor, die aus irgendeinem schnellen Manöver bestehen. Der Langsame lehnt dies ab, weil er weiss, dass die Situation verschlimmert werden kann, wenn der nächste Schritt nicht wirklich gut durchdacht ist. Langsam sein heisst, Ruhe bewahren, das Problem genau studieren und Lösungen zu Ende denken. Was langsam und darum gut vorbereitet wurde, zahlt sich schlussendlich in gewonnener Zeit aus.
Die Langsamkeit verstärkt die kreative Seite und lässt bei der Umsetzung viel Zeit sparen.
Wenn ich mich das nächste Mal in einer bedrängten Lage befinde, werde ich zuerst überlegen, wie viel Zeit mir bleibt, um eine Lösung herbeizuführen. Nicht selten ist man überrascht, wie viel Zeit wirklich zur Verfügung steht. Je mehr Zeit ich mir geben kann, desto ruhiger kann ich überlegen.
Über ein Problem nachzudenken, heisst im Volksmund auch treffend “darüber schlafen”. Mit dem Verstreichen der Zeit erhalte ich mehr Distanz und Übersicht und kann mein Unterbewusstes an der Problemlösung mitwirken lassen. Dieses schaltet nie ab. Es beschäftigt sich laufend mit Ungelöstem. Seine Leistung erkenne ich dann, wenn ich in einem meist unerwarteten Moment plötzlich den erlösenden Einfall habe.
Bei der Pflege der Langsamkeit ist es von Vorteil, ein schriftliches Selbstgespräch zu führen. Das Formulieren und Niederschreiben zwingt mich automatisch zur Bewusstmachung und Auseinandersetzung. Es befreit ausserdem meinen Kopf. Denn das, was ich auf Papier gespeichert habe, kann ich getrost in meinem Gedächtnis löschen. Es gibt meiner Kreativität und meiner Gelassenheit mehr Raum.
QUELLE: “Zehn Freiheiten – Anleitung zu mehr Spass und Erfolg”, von Stefan Boëthius und René Marchand, ISBN 3-908537-04-5 (leider vergriffen)
